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Tiefer als Worte

Manche Gespräche kippen nach zehn Minuten von Small Talk in etwas anderes. Dieses hier hat gar nicht erst mit Small Talk angefangen.

Tania Söllner, bekannt als Die Clementa, ist Autorin, steht mit ihrem Programm deutschlandweit auf der Bühne und sagt Sätze, für die andere drei Anläufe brauchen. In dieser Folge geht es um das, was darunter liegt: Selbstwert, Angst, und die Frage, wer wir eigentlich sind, wenn niemand zuschaut.

Egoistisch ist nicht egozentrisch

Ich habe mal von einer Psychologin einen Satz gehört, der bei mir hängen geblieben ist: Egoistisch sein ist in Ordnung. Egozentrisch sein ist das Problem.

Der Unterschied ist der Teller. Egozentrisch ist, wenn du deinen Teller isst und dann noch den vom anderen. Egoistisch ist, wenn du Hunger hast, jemand fragt nach deinem Essen, und du sagst nein. Das ist kein Charakterfehler. Das ist eine Grenze.

„Angst ist kein Ausschlusskriterium“

Tania beschreibt ihren Umgang mit Angst ziemlich unromantisch: Sie hat keine Lust auf die Situation, sie weiß, dass sie trotzdem rein muss, also nimmt sie die Angst mit. „Nimm sie mit. Mach’s halt mit Angst.“

Ich kenne das. Vor Kurzem stand ich mitten in München mit einem Schild: Umarme mich, kostet nichts. Eine halbe Stunde lang passierte nichts. Eine halbe Stunde ist lang, wenn man da steht. Dann kam die erste Person. Und ich habe gefragt: Hättest du mich auch umarmt, wenn du gewusst hättest, dass ich früher eine Frau war? Bis auf eine haben alle gesagt: natürlich, warum nicht.

Liebe diskutiert nicht.

Das, was sie noch nie erzählt hat

Ich stelle jedem Gast irgendwann die Frage, ob es etwas gibt, das er oder sie noch nie ausgesprochen hat. Tanias Antwort hat mich still gemacht.

Vor dreißig Jahren hat sie einen Menschen durch eine Geschlechtsangleichung begleitet. Nicht aus der Ferne: Tag für Tag, alle Höhen, alle Tiefen, zu einer Zeit, als dieser Weg noch ungleich härter war. Sie sagt, das habe ihr Bild von diesem Thema vollständig verändert. Es ist kein Spaß, keine Phase, nichts, was wieder vorbeigeht.

Deshalb steht sie bis heute auf, wenn jemand mitredet, der nichts weiß. Erzählt hat sie es bis zu dieser Folge nie.

Wer bist du, wenn niemand zuschaut?

Auf diese Frage kommt keine Bühnenantwort. Sie ist gerne Mama, liegt mit ihrer Tochter auf dem Boden und puzzelt, Chips daneben. Keine Bucket List, kein Breathwork in Neuseeland. „Back to the roots. Back to dir.“

Dazu ein italienisches Sprichwort, das sie mir übersetzt hat: Chi va piano, va sano e va lontano, wer langsam geht, geht gesund und weit. Ihr eigenes Tempo, nicht das der anderen.

Und ihr Satz zum Schluss, der eigentlich alles zusammenfasst:

Du bist schon lange was wert. Du musst nicht erst noch werden.

Tania Söllner

Über den Gast

Tania Söllner ist Autorin von Scheiß auf Yoga und als Die Clementa auf der Bühne und in den sozialen Medien unterwegs.

Instagram: @die_clementa
Website: dieclementa.de

Die Folge anhören

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