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Tiefer als Worte

Johannes Purgreth ist 37, hat drei Kinder und arbeitet seit jeher im Fitnessstudio seiner Familie. Daneben führt er eine eigene Praxis, in der er Menschen behandelt und Personal Training gibt. Bei Haltungsproblemen, Nacken, Rücken, Schulter, Knie.

Diese Folge haben wir draußen aufgenommen, am Fuß der Achalm. Das passt, denn nichts beschreibt ihn besser.

Was tiefer als Worte für ihn heißt

Wenn Energien miteinander stimmen. Es gibt Menschen, die ziehen sich gegenseitig an, und es gibt Menschen, die schieben sich voneinander weg.

Johannes

Der Zivildienst, der ihn verändert hat

Mit 16 hat er Werbetechniker gelernt, weil er mit dem Studio seiner Eltern nichts zu tun haben wollte. Abgebrochen, dann Zivildienst im Behindertenheim.

Er erzählt das ungeschönt: Als Jugendlicher habe er manches daran belustigend gefunden. Erst dort hat er die Geschichten dahinter erfahren, den Motorradunfall, den Grund für eine Sprachbehinderung, und hat sich über sich selbst geärgert.

Der war mal ganz normal, dann hatte er einen Unfall. Er ist immer noch normal, er hat halt diese Einschränkung.

Johannes

Seitdem, sagt er, geht er wieder offener auf Menschen zu. Er betont das Wieder, weil man das als Kind kann und später verlernt.

Bewegung ist kein Sport

Das ist sein Kernsatz, und er wird deutlich, wenn er auf die Gesellschaft blickt.

Ich sage nicht Sport, weil nicht jeder sportlich sein muss. Aber jeder soll sich bewegen. Dafür ist unser Körper gemacht.

Johannes

Im Reha-Sport sitzen Leute, die zweimal in die Knie gehen und dann schlapp machen. Fünfzigjährige, die nicht mehr auf dem Boden sitzen können, und jüngere, die beim Aufstehen einen Stuhl oder ein Geländer suchen.

Sein Bild dafür ist der Garten seiner Oma, wo weicher Moosboden liegt:

Meine Oma hat sich vor den Nachbarn geschämt, dass der Johannes mit dreißig noch Purzelbäume schlägt. Dabei konnte sie mit 60 keinen mehr. Mit 50 auch nicht.

Johannes

Sein Rat ist unspektakulär: Nicht jeden Tag Sport, sondern jeden Tag bewegen. Strecken, beugen, in die Hocke, ein Bein nach oben, einfach mal probieren. Und keine Wissenschaft daraus machen.

Auch zu den 10.000 Schritten hat er eine entspannte Haltung. Er sieht das als Wochen- und Monatsschnitt, nicht als Tagespflicht, und vergleicht es mit den Urmenschen: mal 20.000 Schritte, mal tausend und dazu Regeneration.

Man darf sich von der Uhr nicht verrückt machen lassen.

Johannes

Dasselbe gilt für seine Art zu korrigieren. Er schaut erst zu, was jemand macht, und greift dann an genau einer Stelle ein statt sofort alles zu bewerten.

Reichtum heißt Berufung

Diese Antwort hatte in dem Moment noch kein Gast so gegeben.

Reichtum bedeutet, eine Berufung zu haben. Etwas, was mich glücklich macht und was ich mein ganzes Leben lang machen möchte.

Johannes

Er könnte mit 80 noch Menschen behandeln, sagt er, und würde es wollen. Und dann der Satz, der das rundmacht:

Reichtum ist nicht, viel Kohle zu haben. Erst kommt das Berufungsgefühl. Und dann kommen auch Dinge, die andere als Reichtum sehen.

Johannes

Luxus

Auf die Frage nach Luxus hat er nichts gesagt, sondern die Kamera auf die Aussicht gedreht. Vormittags, unter der Woche, kein Mensch unterwegs.

Genau das ist doch ein Luxus, so etwas zu haben.

Johannes

Er blockt sich seine Termine bewusst so, dass er rauskommt. Und der Luxusartikel, auf den er nicht verzichten will: sein Lastenrad, mit dem er Kinder und Einkäufe bewegt. Das Rennrad fährt er ohne Motor, das Lastenrad im Eco-Modus, damit die Muskeln Arbeit haben.

Heimat

Die Frage kam vom vorherigen Gast.

Heimat ist der Ort, wo ich mich wohlfühle. Wo meine Familie ist, wo meine Liebsten sind.

Johannes

Wenn er von der Autobahn aus den Hausberg sieht, weiß er, dass er zurück ist.

Vor der eigenen Haustür kehren

Was die Welt besser machen würde:

Dass jeder vor seiner eigenen Haustür kehrt. Nicht ständig schauen, was in Amerika los ist, sondern in seinem Kreis dafür sorgen, dass es den Leuten gut geht.

Johannes

Das multipliziere sich. Wer nett behandelt wird, ist am selben Tag nett zu jemand anderem.

Dazu ein praktischer Rat für alle, die sich von Nachrichten runterziehen lassen: Er würde erst spüren, ob jemand damit überhaupt klarkommt, und sonst zu einem Medien-Detox raten. Und wenn jemand nach dem dritten Mal immer noch nur Schlagzeilen in den Raum wirft, geht er auf Abstand.

Weißt du, was passiert, wenn du eine verfaulte Erdbeere neben eine gute legst?

Johannes

Kinder

Druck ist bei ihm kein Mittel. Als Kind sei das bei ihm regelmäßig nach hinten losgegangen, er habe dann erst recht blockiert.

Druck bringt nichts. Lieber vormachen, vormachen, vormachen.

Johannes

Praktisch heißt das bei ihm: kein Fernseher im Haus. Dann schaut er selbst nicht, die Kinder bekommen den Drang gar nicht erst, und aus Langeweile wird gemalt oder Buchstaben geschrieben.

Beim Handy ist er ehrlich, dass er sich selbst ertappt. Sein Trick: Er legt es im Flur ab, ans Ladekabel, fertig.

Sein Museum

Gewichte und Hanteln. Seine Behandlungsliege. Bilder von den Hunden, dazu die Hühner und Schildkröten. Und Pflanzen aus dem Garten.

Alles Dinge, mit denen er sich täglich beschäftigt.


Über den Gast

Johannes Purgreth behandelt und coacht in eigener Praxis in Reutlingen.

Instagram: @coach_johannespurgreth
Website: purgreth.de
Kontakt: johannes(at)purgreth.de

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