Kathi, mit vollem Namen Katharina Dodik, kommt aus Metzingen. Sie ist Biohacking-Influencerin, Speakerin und Gründerin der Outdoor-Fitnesskurse Train Nature hier in der Region. Ihr nerdiges Hobby, sagt sie selbst, ist Studien zu lesen.
Kennengelernt haben wir uns beim Eisbaden. Nicht beim ersten Mal, sondern beim zweiten, und wegen einer Kleinigkeit: Sie hat nicht „wie geht es dir“ gesagt, sondern „schön, dich zu sehen“. Der Satz ist mir geblieben.
Was „tiefer als Worte“ für sie bedeutet
Das Zwischenmenschliche, die Emotion.
Es kann nur ein Blick sein, es kann eine Berührung sein. Worte sind da, wo Taten nicht verstanden werden.
Katharina Dodik
Essen und Gefühle
Auf die Frage, ob Ernährung mit Emotionen zu tun hat, sagt sie ohne Zögern ja, und zwar in beide Richtungen.
Die negative kennen die meisten: Liebeskummer und Schokolade. Sie wertet das nicht, oft tut es im Moment ja gut. Die andere Richtung wird seltener gesehen.
Ich ernähre mich gut und fühle mich fit. Und zwar nicht nur wegen der Nährstoffe, sondern weil es ein Signal an meinen Körper ist. Das ist Selbstliebe.
Katharina Dodik
Bei ihr gibt es jeden Tag ein Stück dunkle Schokolade, meistens sehr dunkel. Dazu oft zeremoniellen Rohkakao mit Hafermilch. Der Unterschied zum Kaffee ist für sie das Entscheidende: kein steiler Anstieg und kein Absturz danach, sondern etwas Sanfteres, das länger trägt.
Sei stark und vertraue
Nach dem wertvollsten Satz ihres Lebens gefragt, muss sie nicht überlegen. Sie hat ihn sich tätowiert, auf Latein.
Esto fortis et confide. Sei stark und vertraue.
Das Tattoo von Katharina Dodik
Dahinter steht ein schweres Jahr. Ihr Freund bekam eine überraschende Diagnose, und die beiden haben sich diesen Satz immer wieder gegenseitig gesagt. Auch am Tag vor seiner großen Operation war es das Letzte, was sie sich gesagt haben.
Irgendwann gibt es einen Punkt, den man nicht mehr beeinflussen kann. Dann muss man vertrauen. Sei es in Gott, in die Natur, ins Schicksal. Man muss sich tragen lassen.
Katharina Dodik
Sie hatte sich geschworen: Wenn sie das überstehen, lässt sie sich den Satz stechen. Sie haben es überstanden, und das Tattoo ist da.
Wie sie zurückfindet
Was ihr immer hilft, kostet nichts. Barfuß laufen, atmen, sich mit der Natur verbinden. Das nennt sie eines ihrer größten Werkzeuge.
Dazu kommen Erfahrungen, die sie nur andeutet und für die sie eine eigene Folge vorschlägt: bewusstseinserweiternde Erfahrungen, die ihr nach eigener Aussage großes Urvertrauen zurückgegeben haben.
Und Therapie. Dazu sagt sie einen Satz, den ich mir gemerkt habe:
Wenn man sich schon fragt, bin ich krank genug, dann ist das eigentlich schon die Antwort.
Katharina Dodik
Nicht zu lange zögern, sich Hilfe zu holen. Ob die erste Anlaufstelle die richtige ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber wer Hilfe sucht, findet sie.
Was Eisbaden mit uns macht
Hier ist sie in ihrem Element. Wichtig vorab: Das Folgende ist ihre Sicht als Biohackerin, und sie schränkt selbst ein, dass sie sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen will.
Ihr Lieblingseffekt sind die Glückshormone. Dopamin, Endorphine, Adrenalin. Sie verweist auf Studien aus der Depressionsforschung, ohne daraus ein Versprechen zu machen.
Die ersten ein, zwei Minuten sind hart. Danach muss eigentlich jeder im Wasser lachen. Bei mir hält das den ganzen Tag an.
Katharina Dodik
Dazu nennt sie körperliche Effekte: angeregte Durchblutung, braunes Fett, ein gestärktes Immunsystem, kürzere Regenerationszeiten. Und sie sagt klar, wann man es vorher mit einem Arzt klären sollte: in der Schwangerschaft, bei Herzvorerkrankungen, bei Epilepsie.
Warum zwanzig Minuten nichts bringen
Auf die Frage, ob länger besser ist, antwortet sie ohne Umschweife.
Ein klares Nein. Es bringt maximal deinem Ego etwas, deinem Körper überhaupt nicht. Es kann sogar ins Negative umschlagen.
Katharina Dodik
Spätestens wenn man im Wasser anfängt zu zittern, sagt sie, sollte man raus. Bei Temperaturen um null Grad nennt sie drei bis fünf Minuten als guten Orientierungswert. Alles darüber sei nur noch die Kirsche auf der Sahnetorte und müsse niemand machen.
Und für alle, die anfangen wollen:
Selbst wenn es nur zehn Sekunden sind. Allein die Überwindung mitzukommen, das ist schon Applaus wert. Alles Weitere ist on top.
Katharina Dodik
Wer sie ist, wenn niemand zuschaut
Ein sehr humorvoller und temperamentvoller Mensch.
Katharina Dodik
Nach außen wirkt sie manchmal ruhiger und geht in die Beobachterrolle. Allein oder mit Menschen, die sie gut kennen, sieht das anders aus. Sie hat kroatische Wurzeln und sagt, sie habe viel Feuer in sich. Comedy, Spaß, Lachen.
Die Drei-F-Regel
Das ist der Teil, den ich mir sofort abgeguckt habe.
Familie, Freunde, Fremde. Jeden Tag aus jeder dieser drei Gruppen eine Person zum Lachen bringen.
Katharina Dodik
Vor allem die Fremden würden unterschätzt, sagt sie. Die Kassiererin, jemand an der Tankstelle. Diese scheinbar unwichtigen Begegnungen, bei denen man sich einmal Zeit nimmt und das Handy weglegt.
Diese Dreierformel lässt mich glücklicher ins Bett gehen.
Katharina Dodik
Woran sie merkt, dass sie reich ist
Nicht am Konto.
Wenn ich das, was ich jeden Tag tue, wirklich aus freien Stücken tun kann. Nicht, um irgendwo die Miete zu sichern oder Erwartungen zu erfüllen, sondern weil ich es auch täte, wenn ich damit kein Geld verdienen würde.
Katharina Dodik
Sie fügt selbst hinzu, dass darin auch etwas Egoistisches steckt: Es geht ihr besser, wenn es anderen besser geht. Und sie sagt das ohne Umweg, statt es schön zu reden.
Das Dankbarkeitstagebuch
Seit Jahren schreibt sie jeden Abend drei berufliche Erfolge und drei Dinge auf, für die sie dankbar ist. Sonntags liest sie die Woche durch, kringelt das Stärkste ein und unterstreicht pro Tag ein Highlight.
Dann denkt man erst: Oh mein Gott, was habe ich alles geschafft.
Katharina Dodik
Angefangen hat sie nicht auf Anhieb. Geholfen hat ein Trick, den sie selbst mit einem Augenzwinkern erzählt: Sie hat sich offline im Laden ein schönes Buch gekauft, für zwanzig Euro. Als Schwäbin hat sie es dann auch benutzt. Und es lag sichtbar auf dem Nachttisch.
Warum Geld nicht der Antrieb ist
Wenn Geld der erste Antreiber ist, gerade als Unternehmerin, ist es fast zum Scheitern verurteilt.
Katharina Dodik
Sie sagt aber auch, dass sie gelernt hat, ihren Wert zu kennen. Mehr Einnahmen heißen für sie schlicht, dass sie mehr Menschen erreichen kann.
Was die Welt besser machen würde
Ihre Antwort kommt als Biohackerin.
Wenn wir alle einmal im Jahr einen wirklich umfassenden Gesundheitscheck bekommen würden.
Katharina Dodik
Damit meint sie Blutwerte, die deutlich über das hinausgehen, was ein großes Blutbild abdeckt. Der Name klinge größer, als er sei. Und wenn sie frei träumen darf, einmal jährlich ein Ganzkörper-MRT dazu.
Ihr Gedanke dahinter: Wer weiß, was im Körper los ist, richtet Bewegung und Ernährung anders aus, und viel Leid ließe sich vermeiden.
Beim Thema Nahrungsergänzung bremst sie sofort selbst:
So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Ich bin niemand, der sagt, du musst sechzig Supplements am Tag nehmen.
Katharina Dodik
Eine Retro-Kamera
Wäre sie ein Produkt im Schaufenster, dann eine Sofortbildkamera, gern in Pastell.
Ich werde überall mitgenommen, an die coolsten Orte und in die schönsten emotionalen Momente. Ich bleibe bestehen und werfe noch etwas ab.
Katharina Dodik
Was sie ihrem jüngeren Ich fühlen lassen würde
Dass die Meinung anderer bei Weitem nicht so wichtig ist, wie sie damals dachte. Sie nennt es den Spotlight-Effekt.
Du hast nur dieses eine Leben. Denk nicht darüber nach, was andere denken könnten, was sie meistens nicht einmal tun.
Katharina Dodik
Und fühlen lassen würde sie es ihr, indem sie es einfach aushalten darf und dann merkt, dass nichts Schlimmes passiert.
Und der Sinn des Lebens
Liebe. Bei mir ist die Antwort auf alles Liebe.
Katharina Dodik
Damit schließt sich der Kreis zum Anfang. Ihr „schön, dich zu sehen“ statt „wie geht es dir“ ist genau das im Kleinen. Sie erklärt auch, warum ihr die Standardfrage schwerfällt: Jeder trägt sein Päckchen. Und wenn zwanzig Leute daneben stehen, lässt sich das weder in zwei Sätzen sagen noch ehrlich beantworten.
Das Charity-Eisbad
Aus „wir gehen mal Eisbaden, kommt jemand mit“ ist eine Gruppe geworden, die sich sonntagmorgens trifft. Und daraus ein Charity-Eisbad auf dem Reutlinger Marktplatz, zugunsten eines Vereins für Frühgeborene. Inzwischen findet es das zweite Jahr in Folge statt.
Über den Gast
Katharina Dodik beschäftigt sich als Biohackerin, Speakerin und Gründerin von Train Nature jeden Tag mit Gesundheit.
Instagram: @katharinadodik
Website: katharina-dodik.de
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Weitere Folgen
29. September 2026„Disziplin formt ein einfacheres Leben“ – Ecilio über Natur, Mut und den Weg zu sich selbst
22. September 2026„Ich muss nicht jemand anderes sein, damit ich geliebt werde“ – Michèle über Bücher, die Badewanne und den Weg zu sich selbst
15. September 2026„So viel kann man nicht trinken“ – Katharina Thibus über Sucht, Selbstwert und den Mut, alles zu ändern