Kevin Uhlig steht seit 2012 hinter der Kamera. Daneben ist er Familienvater, Teamleiter in Produktion und Logistik, Jäger und Angler. Wir kennen uns seit über zwanzig Jahren, wir waren zusammen in einer Klasse. Für ihn war das hier der erste Podcast seines Lebens.
Er kommt außerdem in meinem ersten Buch vor, dort allerdings unter dem Namen Elias. Darüber hat er sich im Gespräch beschwert.
Auf die Frage, was „tiefer als Worte“ für ihn bedeutet, kam er sofort zu Emotionen.
Worte gibt es viele. Worte sagt man heutzutage sehr schnell, einfach auch unbedacht.
Kevin Uhlig
„So bin ich, so bleibe ich“
Ich habe gefragt, wann er zuletzt authentisch war. Seine Antwort kam ohne Nachdenken: eigentlich immer.
Ich versuche eigentlich immer, ich selbst zu sein. Und wem es nicht passt, sage ich immer, da ist die Tür.
Kevin Uhlig
Weil er viel für Leute fotografiert, die auf Social Media unterwegs sind, sieht er die andere Seite ständig. Hinter dem Account sind viele komplett anders als davor. Sein Punkt dabei ist kein moralischer, sondern ein praktischer: Wenn jemand dich über Instagram kennenlernt, dich als Fotografen bucht und im ersten Gespräch einen ganz anderen Menschen trifft, geht das Vertrauen flöten.
Anpassung ist für ihn übrigens etwas anderes als Verstellen. Mit einem Finanzberater redet man anders als mit dem Kumpel. Das ändert nichts daran, wer man ist.
Wer er ist, wenn niemand zuschaut
Die Antwort war kurz: der Kevin, der Papa.
Seine Kleine ist viereinhalb und beim Angeln dabei. Im Wald auch, vor und nach der Jagd, nicht währenddessen. Was er ihr zeigen will, ist simpel und wird trotzdem selten: wo das Essen herkommt.
Ich habe Situationen mitbekommen, wo Kinder sagen, guck mal, die Kuh da draußen, die ist ja gar nicht lila.
Kevin Uhlig
Beim Angeln fragt seine Tochter inzwischen selbst, ob sie klopfen darf, bevor der Fisch versorgt wird. Danach kommt er zu Hause in den Ofen.
Mich freut das tatsächlich, wenn meine Kleine da keine Berührungsängste hat.
Kevin Uhlig
Was ein Jäger wirklich macht
Ich habe ihn direkt gefragt: Warum musst du jagen gehen, warum musst du ein Tier töten? Seine Antwort dreht die Frage um.
Das Schießen an sich ist wirklich das Allerkleinste von dem Ganzen.
Kevin Uhlig
Er ist Begehungsscheininhaber, jagt also mit Erlaubnis des Pächters in einem Revier. Was daran hängt, hat mit Schießen wenig zu tun: den Wald und die Flächen drumherum intakt halten, die Hochsitze prüfen, wissen, welche Tiere überhaupt da sind und wo sie sich aufhalten, an den Kirrungen mit sehr kleinen Mengen Mais arbeiten.
Dazu der Bestand. In manchen Gegenden gibt es gar keine Wildschweine mehr, bei ihnen unten schon. Sein Revier schießt bewusst weniger als andere.
Wir gucken, dass der Bestand immer im Gleichgewicht bleibt.
Kevin Uhlig
Wo es konkret wird: Wildschweine kommen bei ihnen bis auf zehn Meter an Häuser heran, und mit Frischlingen im Rudel wird das für Anwohner gefährlich. Ein gezielter Abschuss reicht dann oft, damit die Rotte diesen Bereich als gefährlich abspeichert und wegbleibt.
Das Detail, das mich am meisten überrascht hat: Die Elektrozäune um die Felder zahlt der Jäger selbst. Und wenn doch Wildschaden entsteht, ersetzt er ihn ebenfalls aus eigener Tasche.
Und weil wir gerade dabei sind: Auf einen Baum klettern hilft nicht. Ein Jagdkollege von ihm saß oben, unten haben die Wildschweine gewartet, und er musste jemanden anrufen, der ihn rausholt.
Vier Stunden bei minus zehn Grad
Das ist für ihn der eigentliche Grund.
Du kommst da in so eine totale entspannte Ruhe mit rein. Das erdet dich total.
Kevin Uhlig
Nachts, allein, keiner da außer mal ein Jogger. Ich habe im Gespräch gesagt, dass das im Grunde vier Stunden Meditation sind, und er hat nicht widersprochen. Sein Handy ist trotzdem dabei, sagt er ehrlich dazu. Man will kurz auf die Uhr schauen und ist dann doch wieder drin.
„Wir leben heutzutage einfach zu schnell“
Er sieht es besonders bei Kindern. Erst der ganze Schultag, dann der Kurs, dann der Schwimmkurs, dann noch ein Hobby.
Die finden heutzutage nicht mehr wirklich die Zeit, um zu leben und das Leben kennenzulernen.
Kevin Uhlig
Der wertvollste Satz
Sei du selbst.
Kevin Uhlig
Dazu ein zweiter, an dem er sich orientiert: Behandle andere so, wie du behandelt werden möchtest.
Wenn wir Gutes der Welt tun, dann kommt auch Gutes zurück.
Kevin Uhlig
Reichtum heißt Unabhängigkeit
Materiell ist es für ihn nicht.
Reichtum ist für mich einfach, ich bin unabhängig und ich kann das machen, worauf ich Lust habe.
Kevin Uhlig
Gesundheit gehört dazu, körperlich und mental. Bei der mentalen wurde er dann sehr direkt.
Ich kenne heutzutage fast keinen, der mental wirklich komplett gesund ist.
Kevin Uhlig
Was es bräuchte: dass Menschen besser miteinander leben statt ständig zu schielen, wer gerade cooler ist und was der andere hat. Fairness, sagt er, ist auf der Strecke geblieben.
Luxus heißt jagen dürfen
Auf die Frage nach dem Luxus, auf den er nicht verzichten will, kam nach kurzem Überlegen genau das.
Ich fühle mich in dem Sinne schon privilegiert, dass ich das so machen darf.
Kevin Uhlig
Das Wort „dürfen“ ist mir dabei hängen geblieben. Dieses Bewusstsein fehlt vielen.
Die drei wertvollsten Dinge
Familie kam sofort. Gesundheit als zweites, mit einem trockenen Zusatz über seinen Rücken. Beim dritten kam nichts mehr.
Ich habe dann emotionale Intelligenz vorgeschlagen, und da war er sofort dabei. Wer sie nicht hat, sagt er, dem fehlt etwas Echtes. Ich finde die Stelle deshalb schön, weil er in dem Moment nicht nach einer guten Antwort gesucht hat, sondern einfach keine mehr hatte.
Die Frage vom vorherigen Gast
Jede Folge schickt eine Frage an die nächste weiter. Diesmal: Gab es kürzlich eine Emotion, die dich herausgefordert hat, und was daran war schwierig?
Seine Antwort war nicht Aggression, sondern Ärger. Impulsiv werden.
Die Schwierigkeit war, mich komplett wieder zu erden und zu beherrschen, ohne dass ich einmal durch die Decke gehe.
Kevin Uhlig
Er ist sonst ein sehr ruhiger Mensch, und ich habe ihn in zwanzig Jahren kaum anders erlebt. Was ihn zuverlässig auf die Palme bringt, ist Ungerechtigkeit.
Was die Welt besser machen würde
Finanzielle Mittel eher gleich aufteilen.
Kevin Uhlig
Er hatte kurz vorher etwas darüber gelesen, dass es immer mehr sehr Reiche gibt, während die Mitte abrutscht. Dazu wieder Fairness.
Mehr Mensch sein, einfach.
Kevin Uhlig
Als Vater
Was er kritisch sieht, wenn er an die Welt denkt, in die seine Tochter hineinwächst: Nachrichten und Social Media, und vor allem, wie viele fremde Eindrücke von außen auf sie einprasseln werden.
Beim Handy hat er eine klare Linie. Frühestens mit der Einschulung, Apps werden aussortiert und regelmäßig nachkontrolliert. Er selbst hatte sein erstes Handy mit ungefähr fünfzehn.
Superkraft und Schaufenster
Er wollte zwei Superkräfte: fliegen und sich teleportieren. Auf meinen Einwand, dass Teleportieren doch reicht, kam sofort die Begründung, dass man nach dem Teleportieren nach oben ja wieder runterfällt.
Wäre er ein Produkt im Schaufenster, wäre er eine Kamera.
Weil ich das Fotografieren liebe und anderen Menschen durch meine Bilder zeigen will, wie die Welt ist.
Kevin Uhlig
Sein Museum
Ich frage manchmal: Wenn dein Leben ein Museum wäre, was würde heute schon darin stehen?
Bei ihm wären es vor allem Erinnerungen. Die Schulzeit, die ihn geprägt hat, auch weil er dort zeitweise gemobbt wurde. Sein alter Nebenjob. Bilder von der Familie.
Seine Angel- und Fotoausrüstung würde übrigens nicht im Museum landen.
Das Zeug nehme ich mit in mein Grab.
Kevin Uhlig
Was er seinem jüngeren Ich fühlen lassen würde
Hier kam eine Antwort, die erst wie keine klingt.
Ich habe mein Leben eigentlich immer gefühlt. Da gab es nie wirklich was zu erklären, weil ich alles selber irgendwie rausgefunden habe.
Kevin Uhlig
Wie das Leben läuft, hat ihm niemand beigebracht. Das ist keine Beschwerde, so hat er es gesagt. Aber es ist eine Antwort.
Und der Sinn des Lebens
Zuerst kam „42″, aus Per Anhalter durch die Galaxis. Dann die ernste Version.
Der Sinn des Lebens ist für mich einfach das Leben selber.
Kevin Uhlig
Seine Begründung: Es gibt heute nicht mehr das eine Ziel, auf das man hinarbeitet. Es gibt zu viele Möglichkeiten und zu viele Wege.
Über den Gast
Kevin Uhlig fotografiert seit 2012, ist Familienvater, Jäger und Angler.
Instagram: @kevin_uhlig_photography
Website: kevinuhligphotography.de
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