Marie Gräff hat sich bei mir gemeldet und gefragt, ob sie in den Podcast kommt. Wir kannten uns vorher nicht, nicht mal vom Sehen. Sie schreibt Fantasy-Romane, gibt Schreibkurse und arbeitet als Coach.
Die Welt hinter den Worten
Was „tiefer als Worte“ für sie bedeutet, beantwortet sie als jemand, die beruflich mit Worten arbeitet, und genau deshalb interessant:
Es ist diese Welt hinter den Worten. Man versucht das immer zu transportieren, egal ob in einem Gespräch oder in einem Roman. Und gleichzeitig kommt man nur ein bisschen ran, aber nie ganz.
Marie Gräff
Ihre große Fantasy-Trilogie ist aus einer einzigen Frage entstanden, die sie sich schon als Kind gestellt hat: Warum gibt es so etwas wie Krieg? Das hat für sie nie Sinn ergeben. Die Idee kam mit zwölf, sie hatte jahrelang Angst davor, hielt sie für zu groß für sich, und die Idee ging einfach nicht weg.
„Es ist ja kein Naturgesetz“
Wenn sie die Frage stellt, ob Krieg überhaupt notwendig ist, bekommt sie oft dieselbe Antwort: Ja, der Mensch kann halt nicht anders. Genau da widerspricht sie.
Die Schwerkraft, daran können wir vielleicht nichts ändern, die ist halt einfach da. Aber dass der Mensch auf eine bestimmte Art und Weise ist, ob das wirklich ein Naturgesetz ist, würde ich mal ganz vorsichtig dahinstellen.
Marie Gräff
Ihr zweiter Satz dazu ist der, der bleibt: Selbst wenn es so wäre, müssten wir eben einen neuen Weg finden. Die Haltung, dass es ohnehin nichts wird, hilft jedenfalls sicher nicht.
Sie sagt auch, dass sie für diesen Optimismus regelmäßig Zynismus erntet. Und dass sie trotzdem nicht damit aufhört.
Was sie in Armenien gelernt hat
Vor Jahren war sie mehrere Wochen in Armenien, damals noch völlig ohne Tourismus. Sie hat bei Einheimischen gewohnt, verständigt hat man sich mit ein bisschen Englisch, ein bisschen Russisch und Google Translate.
Was sie dort gehört hat, hat ihr nach eigener Beschreibung Schnappatmung gemacht. Ihre Reaktion darauf finde ich bemerkenswert: Sie hat ihr westliches Mindset und die Arroganz zurückgefahren und zugehört. Sie habe unglaublich viel gelernt, wie die Welt aus einer anderen Perspektive aussieht.
Viele der Dialoge zwischen den Kontrahenten in ihrem ersten Band stammen aus dieser Zeit.
Nicht falsch, nur anders
Marie trägt ihr Herz auf der Zunge und führt lieber tiefe als höfliche Gespräche. Dass es auf die Frage „wie geht es dir“ eine kulturell erwartete Antwort gibt, hat sie lange schlicht nicht verstanden. Manche Menschen nehmen sie als intensiv wahr, manchmal als zu viel.
Ihr Rat an alle, die sich darin wiedererkennen: Man ist nicht falsch, weil man so ist. Die Regel, dass man über das Wetter redet, ist keine ewige Wahrheit, sondern ein Konsens, den irgendwann jemand festgelegt hat.
Dazu passt ihre Antwort auf die Frage nach dem größten Geschenk, das sie sich selbst gemacht hat. Sie sagt, sie habe das noch nie ausgesprochen: sich zu erlauben, ihren Weg zu gehen und an sich zu glauben, auch als es nicht gut aussah. Ihre Bücher zu schreiben, obwohl die meisten sagten, damit verdienst du kein Geld, es gibt doch schon so viele Bücher.
Ihre Antwort darauf gibt sie heute ihren Schreibschülern weiter: Es gibt dich kein zweites Mal. Selbst wenn du dieselbe Geschichte schreiben wolltest wie jemand anders, würde eine andere daraus, weil sie durch dich geht.
Und wenn ihr Leben ein Museum wäre, wäre neben Büchern, Menschen und Reisefotos noch eine Ecke darin, die sie selbst als hässlich beschreibt: zerbrochene Waffen. Kaputt, unbrauchbar. Damit kann niemand mehr Krieg führen.
Über den Gast
Marie Gräff schreibt Fantasy-Romane, gibt Schreibkurse für angehende Romanautoren und arbeitet als Coach. Ihre Trilogie beginnt mit Achnorion – Sorbhends Lied. Auf ihrer Website sind alle Bücher verlinkt, dazu gibt es dort eine kostenlose Kurzgeschichte als Vorgeschichte zur Trilogie.
Instagram: @mariegraeffautorin
Website: mariegraeff.de
Die Folge anhören
Spotify: Folge auf Spotify hören
Apple Podcasts: Folge auf Apple Podcasts hören
YouTube: Folge auf YouTube ansehen
Weitere Folgen
29. September 2026„Disziplin formt ein einfacheres Leben“ – Ecilio über Natur, Mut und den Weg zu sich selbst
22. September 2026„Ich muss nicht jemand anderes sein, damit ich geliebt werde“ – Michèle über Bücher, die Badewanne und den Weg zu sich selbst
15. September 2026„So viel kann man nicht trinken“ – Katharina Thibus über Sucht, Selbstwert und den Mut, alles zu ändern