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Tiefer als Worte

Nicole Pia Hochwald kenne ich nur aus dem Internet. Ich bin über ein Video von ihr gestolpert, und es hat mich sofort erwischt. Kurz darauf habe ich ihr geschrieben und gefragt, ob sie zu mir in den Podcast kommt.

Das Video, das alles ausgelöst hat

Es ging um den Girls Day. Genauer gesagt um einen Nachtrag, den sie gemacht hat, nachdem ihr erstes Video zum Thema Kreise gezogen hatte. Handy hingestellt, drauflosgeredet, kein Skript.

Ihr Punkt: Der Girls Day steht für Vielfalt und Gleichbehandlung. Ihn zu benutzen, um eine politische Richtung einzuschlagen, hat sie emotional erwischt. Sie wusste vorher, was solche Videos im Netz auslösen können und wie schnell man zur Zielscheibe wird. Sie hat es trotzdem gemacht.

Das sind meine Werte, und für diese Werte stehe ich. Wenn du diese Werte nicht teilst, dann bist du nicht richtig auf meinem Profil.

Nicole Pia Hochwald

Was dabei leicht untergeht, ist der Satz direkt danach. Sie grenzt niemanden aus. Wer bleiben möchte, darf bleiben. Fronten will sie keine bauen. Vielleicht, sagt sie, denkt ja irgendwann jemand: die Nicole hat recht.

Dein Profil ist dein Wohnzimmer

Die Metapher ist im Gespräch entstanden, und sie trägt weiter, als sie zuerst klingt. Dein Profil ist deine Wohnung. Du entscheidest, was darin hängt. Wer eine grüne Wand will, streicht sie bei sich zu Hause.

Dazu gehört die andere Seite: Wir sind sichtbar, und die anderen schauen durch ein Fenster zu. Die einen lassen sich inspirieren, die anderen machen das Fenster nur kurz auf, um etwas hineinzurufen. Wie weit das Fenster offen steht, entscheidest du.

Nach fünf Minuten haben die dich vergessen

Das ist der Absatz, bei dem ich im Gespräch Gänsehaut bekommen habe. Es geht um die Leute, die doof gucken und doofe Kommentare schreiben. Man kennt sie nicht. Man wird sie nie kennenlernen.

Die haben einen nach fünf Minuten vergessen, und man selber denkt unendlich lange drüber nach. Diesen Wert haben die Menschen gar nicht verdient.

Nicole Pia Hochwald

Ihr Punkt dahinter ist der eigentlich wichtige: Am Ende schaust du auf dein Leben zurück und stellst fest, dass du eine Menge nicht gemacht hast. Wegen wildfremder Leute, die dir einen dummen Blick zugeworfen haben.

Wer bist du, wenn niemand zuschaut?

Auf diese Frage musste sie nicht überlegen: Sie ist der Mensch, den man sieht, wenn man zuschaut. Es gibt keinen Unterschied.

Das ist leicht gesagt. Bei ihr kann man es nachrechnen. Die ersten Videos waren, in ihren Worten, ganz, ganz schlimm. Sich selbst in Bewegung zu sehen und die eigene Stimme zu hören, hat sie fertiggemacht. Ihr Tipp an alle, die davor stehen: einfach machen, es wird von Mal zu Mal besser.

Heute bleiben Versprecher drin. Wenn wir uns auf der Straße unterhalten, sagt sie, fängt ja auch keiner noch mal von vorne an. Und sie zeigt ihrer Community ihr Chaos, wenn es gerade chaotisch ist. Die Nachricht, die darauf am häufigsten kommt: Ich dachte, ich bin alleine so.

Nach dem wertvollsten Satz, den sie je gehört hat, habe ich auch gefragt. Sie hat keinen. Man höre so viele Botschaften, sagt sie, die man schnell wieder vergisst und die einen trotzdem prägen. Das ist die ehrlichste Antwort, die ich auf diese Frage bisher bekommen habe.


Über den Gast

Nicole Pia Hochwald ist auf Social Media als today is the deepest unterwegs. Hauptberuflich arbeitet sie seit 29 Jahren als Projektmanagerin bei einem Telekommunikationsunternehmen.

Instagram: @todayisthedeepest

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