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Tiefer als Worte

Das hier ist die allererste Interviewfolge von Tiefer als Worte. Kennengelernt haben Sasa und ich uns bei einer Online-Veranstaltung, aus dem Kontakt danach ist eine Freundschaft geworden. Und weil sie die Erste war, durfte sie das Interview ein Stück weit mitgestalten.

Sasa ist 52 Jahre jung, kommt aus Braunschweig und arbeitet hauptberuflich als selbstständige Naturkosmetikerin. Ganzheitlich, wie sie sagt, und das ist keine Floskel.

Haut und Seele sind ein Zusammenspiel, wie alles bei uns.

Sasa

Spirituell interessiert war sie ihr Leben lang. Irgendwann hat sie angefangen, selbst Karten zu legen, hat es ein paar Jahre liegen lassen, weil das Leben dazwischenkam, und vor einigen Jahren gemerkt, dass sie das wirklich kann. Seitdem hat sie sich weiter ausbilden lassen und ist nebenbei in die Astrologie hineingerutscht.

Was Reiki für sie ist

In ihre Kosmetikbehandlungen fließt Energiearbeit ein, hauptsächlich Reiki. Ich habe sie gebeten, das für alle zu erklären, die sich nichts darunter vorstellen können. Was dann kommt, ist bemerkenswert unaufgeregt.

Ich sage immer, es ist eine energetische Entspannungsmethode.

Sasa

Und sie zieht die Grenze im selben Atemzug selbst, deutlicher als die meisten.

Ich lasse Heilmethode komplett raus, weil ich bin kein Arzt, ich bin keine Heilpraktikerin. Deswegen sage ich auch immer, es ist eine Entspannungsmethode, die uns wieder in unsere Mitte bringen kann.

Sasa

Wie sie ihre eigene Rolle dabei beschreibt, fand ich schön: Sie ist eine Leitung. Ihre eigene Energie bleibt bei ihr, weder die gute noch die schlechte gibt sie ab.

Man kann so viel darüber erzählen. Wie es sich anfühlt, weiß man eigentlich erst, wenn man es selbst mal ausprobiert hat.

Sasa

Dazu kommt ein Satz, der auch für Menschen funktioniert, die mit dem Thema nichts anfangen können.

Was Energie ist, wissen wir sowieso immer erst dann, wenn wir sie nicht mehr haben.

Sasa

Genau das sagen ja auch Leute, die sich nie im Leben spirituell nennen würden: Ich habe keine Energie mehr.

Was „tiefer als Worte“ für sie bedeutet

Ihre Antwort war nicht die, die ich erwartet hatte. Sie hat die Frage nämlich erst einmal umgedreht.

Mir ist gleich das Wort Bewusstsein in den Kopf gekommen. Ich glaube, dass Worte auch ganz tief gehen können, aber es kommt immer darauf an, mit welchem Bewusstsein wir die Worte sagen.

Sasa

Gefühle seien natürlich etwas sehr Tiefes, vielleicht das Tiefste überhaupt. Aber ob etwas in die Tiefe geht, entscheidet für sie die Intention dahinter.

Menschen nicht in Schubladen stecken

Ich habe nachgehakt, ob Menschen, die bewusster leben, auch tiefer sprechen können. Sie hat den Gedanken sofort entschärft.

Es hört sich dann so an, als könnten Menschen, die es nicht bewusst sind, so etwas nicht. Ich glaube, dass wir das alle können, dem einen ist es nur bewusster als dem anderen.

Sasa

Und dann kommt der Satz, der mir in dem Moment gefehlt hatte.

Es gibt Menschen, die sind sehr rational. Aber warum sollen die dann nicht irgendwo eine Tiefe haben? Vielleicht lassen sie es nur nicht zu in dem Moment.

Sasa

Wann sie das letzte Mal authentisch war

Ihre Antwort: gerade eben, mit dem Hund.

Mitten im Interview musste Sasa nämlich kurz weg, weil Wilma sich an Schokolade bedienen wollte. Sie hat sich dafür entschuldigt, und genau das war der ehrlichste Moment der ganzen Folge. So ist es eben bei ihr zu Hause.

Was authentisch sein für sie bedeutet, beschreibt sie klar.

Dass man sich zeigt, wie man wirklich ist. Dass man die Masken komplett fallen lässt.

Sasa

Rollen gehören für sie trotzdem dazu. Sie ist eine andere, wenn sie mit einer Behörde telefoniert, als wenn sie mit mir spricht. Das ist kein Widerspruch.

Man kann auch in seinen Rollen authentisch sein. Der Punkt ist, dass man sich trotz allem nicht verstellt.

Sasa

Der innere Zweifler

Daraus ist ein Gedanke entstanden, den ich seitdem oft benutze. Man denkt etwas Schönes über einen anderen Menschen, seine Augen, seine Stimme, und dann kommt der Kopf dazwischen: Das kannst du doch nicht sagen, was soll der andere denken?

Sasa nennt das den inneren Zweifler. Sie sagt gleichzeitig, dass man nicht alles aussprechen muss, was man fühlt, das könne auch nach hinten losgehen. Aber:

Wenn wir etwas spüren, was dem Gegenüber vielleicht gut tun könnte, ist es schon irgendwo ein bisschen egozentrisch, es nicht auszusprechen.

Sasa

Mit einer Bedingung, die sie selbst nachschiebt: Es muss echt gemeint sein und darf keine Absicht verfolgen. Ein Kompliment, das nur dazu da ist, besser anzukommen, ist ohnehin nicht mehr authentisch.

Einfach menschlich sein

Auf die Frage, was die Welt zu einem besseren Ort machen würde, kommt eine Antwort, die kurz ist und trotzdem schwer zu erklären.

Menschlich zu sein. Es ist gar nichts Großes.

Sasa

Als ich sie gebeten habe, das für die Hörer aufzuschlüsseln, ist sie ins Stocken gekommen, und das auf eine ehrliche Art.

Es ist immer so spannend, dass man das erklären muss, was für einen selber ganz selbstverständlich ist.

Sasa

Nett zu sein wäre ihr zu wenig. Menschlich sein heißt für sie, den anderen so anzunehmen, wie er ist, und selbst keine bösen Absichten zu haben.

Die Bank

Und dann kommt die Stelle, die bei mir bis heute hängengeblieben ist und die mein Denken tatsächlich verändert hat.

Stell dir vor, du sitzt auf einer Bank im Park. Du willst allein sein. Dann setzt sich jemand dazu, dessen Werte du nicht teilst. Jemand, von dem du weißt, dass er anderen Menschen schadet. Meine Haltung war damals klar: Ich will nicht, dass der neben mir sitzt.

Sasas Antwort hat das Ganze umgedreht.

Die Bank gehört niemandem. Vielleicht hat die Stadt sie dahingestellt, aber in dem Moment, wo ich da sitze, gehört sie nicht mir. Jeder darf hier frei sitzen.

Sasa

Und wenn es dich stört, sagt sie, dann hast du jederzeit die Möglichkeit aufzustehen.

Du gehst aus der Situation raus, ohne dass du ein Fass aufmachst. Es gibt auch noch andere Bänke. Oder ich muss gar nicht sitzen, ich kann auch spazieren gehen.

Sasa

Was daran für mich der eigentliche Punkt ist: Wir treffen ständig Menschen, deren Geschichte wir nicht kennen. In dem Moment, in dem sich jemand neben uns setzt, wissen wir nichts über ihn. Und trotzdem fangen wir an, in Schubladen zu denken.

Sasa führt es zurück auf ihr großes Thema.

Wir können in jeder Sekunde neu entscheiden, wie wir handeln. Und am besten handelt man menschlich.

Sasa

Was sie wütend und traurig macht

Das Gegeneinander. Dass jeder in seiner Bubble sitzt, politisch wie im ganz Kleinen.

Warum kann man sich nicht an einen Tisch setzen, egal welche Meinung du hast, und gucken, dass man sich irgendwo in der Mitte trifft?

Sasa

Ihr Punkt dahinter: Hinter Meinungen stecken oft Sorgen und Ängste, und die kann man sich anhören, auch wenn man anders denkt. Statt sofort eine Mauer hochzuziehen und zu sagen, mit dem will ich nichts zu tun haben.

Das Wort, das sie dafür sucht und findet, ist Akzeptanz.

Keine Ratschläge ins Blaue

Ich wollte von ihr einen Tipp für Menschen, die das Gefühl haben, nicht akzeptiert zu werden. Sie hat ihn mir nicht gegeben, und das aus einem guten Grund.

Du kannst keinen Tipp geben, wenn du die Situation nicht erst durchleuchtet hast.

Sasa

Ob jemand wirklich nicht akzeptiert wird oder ob es ein Gefühl ist, sei völlig verschieden. Das muss man individuell anschauen.

Reichtum ist Fülle

Wenn es mir in jedem Bereich gut geht, das ist für mich Reichtum.

Sasa

Sie ist kein besonders materieller Mensch, sagt sie, und definiert Fülle entsprechend.

Fülle ist, wenn ich von allem für mich genug habe und es mir an nichts fehlt.

Sasa

Und sie betont, wie unterschiedlich das aussieht. Für den einen reicht es, die Rechnungen zu zahlen und noch genug für Freizeit übrig zu haben. Der andere will das neueste Auto. Beides ist in Ordnung.

Die Bereiche, die sie nennt: das Finanzielle, weil es ohne Geld schwierig wird. Familie. Freunde und soziale Bindung. Eine Partnerschaft. Und Gesundheit, wobei sie das weit fasst: nicht nur nicht krank sein, sondern auch Mobilität, der Körper und die mentale Gesundheit.

Etwas, das sie lange nicht ausgesprochen hat

Auf diese Frage hatte ich mit allem gerechnet, nur nicht mit ihrer Antwort.

Spontan fällt mir nichts ein, weil ich immer alles ausspreche. Ich halte mit nichts hinterm Berg.

Sasa

Genau das ist ja auch eine Antwort. Für mich ist es sogar die beste, die man auf diese Frage geben kann.

Der Sinn des Lebens

Sie hat die Frage präzisiert, bevor sie sie beantwortet hat: nicht der Sinn des Lebens, sondern ihr Sinn.

Für mich persönlich ist der Sinn des Lebens, dass ich wirklich am Ende sagen kann: Ich habe genau das Leben gelebt, das ich leben wollte.

Sasa

Kurz gesagt und mit unendlich viel dahinter. Tiefer als Worte, im Wortsinn.

Was sie dir mitgeben möchte

Egal an welchem Punkt ihr gerade im Leben seid: Es kann immer eine Chance geben, es kann immer etwas geben, das euch da wieder rausbringt, wo ihr gerade drinsteckt.

Sasa

Und der zweite Teil ist ihr genauso wichtig.

Wichtig ist, sich an irgendjemanden zu wenden. Im Leben muss man nicht alles immer allein gehen. Öffnet euch, das ist so wichtig.

Sasa

Über den Gast

Sasa arbeitet in Braunschweig als selbstständige Naturkosmetikerin und sieht den Menschen als Ganzes. Dazu kommen Kartenlegen und Astrologie, beides auch am Telefon, sodass es nicht an der Entfernung scheitert. Wer in der Nähe ist, kann für die Kosmetik zu ihr ins Studio kommen.

Instagram: @sasas.seelenpfad
Website: naturkosmetik-bs.de

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