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Tiefer als Worte

Sören ist 44 und Sänger von Dreibettzimmer. Zwei Folgen vorher saß sein Bandkollege Andy hier. Für Sören war es der erste Podcast überhaupt.

Angefangen hat er mit sechs, an der Blockflöte, dann Keyboard, dann Chor. Mit zwölf hat er im Wohnzimmer die Rollläden runtergelassen und vor dem Spiegel performt. Erste richtige Band mit sechzehn, eine Punkband. Dreibettzimmer ist seine letzte, sagt er. Das hat er von Anfang an so festgelegt.

Gefühle auslösen

Was „tiefer als Worte“ für ihn bedeutet, musste er sich erarbeiten:

Dass ich mit dem, was ich wiedergebe, Emotionen auslöse. Egal ob positiv oder traurig. Ich will Gefühle auslösen.

Sören

Bei ihren Konzerten fällt auf, dass sie sich mit dem Publikum verbinden. Das macht er bewusst. Er will spüren, was im Raum passiert.

Es gibt kein Tabu

Der wertvollste Satz, den er kennt, ist sein eigener. Er sagt ihn bei jedem Konzert von der Bühne:

Leben, rede darüber. Es gibt kein Tabu.

Sören

Er hat seit fast zwanzig Jahren Depressionen. Am Anfang ist er nicht offen damit umgegangen. Er war damals Friseur in Reutlingen, über ein Jahr krankgeschrieben, und konnte nicht durch die Stadt laufen, ohne dass jemand redete. Offen wurde er zuerst nur, um sich zu rechtfertigen.

Richtig klargekommen ist er damit erst nach einem langen Klinikaufenthalt 2018 auf 19. Danach dachte er, wenn er so damit umgeht, hilft das vielleicht auch anderen. Wie viele Leute ihn nach Konzerten ansprechen oder anschreiben, hat ihm gezeigt, dass das stimmt.

Er sagt dazu klar, dass das jeder für sich entscheiden muss. Für ihn war es der richtige Weg.

Keine Schwäche, sondern Tiefe

Im Gespräch kam die Frage auf, ob das überhaupt eine Schwäche ist. Ich sehe darin eher eine Tiefe, eine Ebene, die Menschen, die nur an der Oberfläche schauen, nicht erreichen.

Seine Antwort darauf:

Ich bin ein sehr empathischer Mensch. Ich fühle sofort, wenn es jemandem nicht gut geht. Ich glaube, das hätte ich nicht, wenn ich die Depression nicht hätte.

Sören

Wer er ist, wenn niemand zuschaut

Hier war er sehr ehrlich. Allein geht es ihm oft am schlechtesten. Dann ist er still, auch innerlich, und eher traurig. Sein Hund merkt es.

Und etwas, das viele überraschen dürfte: Je schlechter es ihm geht, desto extrovertierter wird er. Lauter, lustiger, redseliger. Wer ihn gut kennt, erkennt daran, dass gerade etwas nicht stimmt.

Vier Leute im Publikum

Ein Konzert, das nach drinnen verlegt wurde, weil Unwetter angesagt war. Gekommen sind vier oder fünf Leute.

Im ersten Moment dachte er, das sei das Schlimmste. Gelernt hat er an dem Abend mehr als an vielen anderen: dieselbe Show abzuliefern. Die Leute haben Eintritt bezahlt und kriegen eine Show.

Bei hunderttausend Leuten wäre ich vielleicht sogar weniger nervös. Da siehst du die Leute nicht mehr. Bei drei Leuten schon.

Sören

Wer so denkt, redet mit der Reinigungskraft wie mit dem Chef. Das kam prompt zurück: Genau das hat ihm sein Ausbilder in der Friseurlehre beigebracht. Ohne jeden Einzelnen würde der Laden nicht funktionieren.

Woran er merkt, dass er sich reich fühlt

Ich fühle mich gerade sehr reich. Ich bin ausgeglichener als davor, ich fühle mich angekommen.

Sören

Was er sucht, ist innerer Frieden. Er sagt selbst, dass er den noch nicht gefunden hat. Auf einem Stein sitzen und einen Fluss anschauen macht ihn unruhig, beim Angeln muss er nebenher die Tasche aufräumen oder Knoten binden. Vielleicht, sagt er, sitzt er irgendwann doch auf dem Stein.

Frag doch einfach nach

Was ihn an der Gesellschaft stört, macht er an einer Kleinigkeit fest. Er trägt oft Sonnenbrille und wird dafür blöd angemacht. Dabei hat das einen medizinischen Grund, er ist stark lichtempfindlich und braucht sie selbst im Regen beim Autofahren.

Frag mich doch einfach, bevor du mir blöd kommst. Dann erkläre ich es dir.

Sören

Dasselbe mit seinen Tattoos, auf die ihn ein Nachbar angesprochen hat mit den Worten, es gehe ihn ja eigentlich nichts an. Sören merkt trocken an: Im ersten Satz steht doch schon die Antwort.

Sein Museum

Verschiedene Lebensabschnitte. Die Diabetes-Erkrankung aus seiner Kindheit, die ihn geprägt hat. Der Leistungssport, er hat gefochten. Sein Friseurberuf mit eigenem Laden, für ihn der absolute Traumberuf. Und Musik, viel Musik.

Dazu Bon-Jovi-Poster. Der war sein Held mit zwölf und einer der Gründe, warum er mit der Musik weitergemacht hat.

Die Vision

Die Frage kam vom vorherigen Gast: Hast du eine Vision?

Mein größtes Ziel ist, mit Musik meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich möchte auf Tour gehen, ich möchte einfach nur noch Musik machen. Mit der Vision gehe ich durchs Leben.

Sören

Was er seinem jüngeren Ich nicht erklären, sondern fühlen lassen würde: wie sich Liebe anfühlt.

Und der Sinn des Lebens sind für ihn zwei Dinge. Andere glücklich machen, und selbst glücklich und zufrieden sein. Auf die Frage, ob das zweite nicht zuerst kommen müsste, sagt er, er habe es mit Absicht so gesagt, weil er zuerst schaut, wie es anderen geht.

Sein Schlusswort: seid nett zueinander, habt euch lieb, und hört einander zu.


Über den Gast

Sören ist Sänger der Band Dreibettzimmer.

Instagram: @soeren_3bz
Band: Dreibettzimmer
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