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Tiefer als Worte

Rebecca hat lange funktioniert. Dann, an einem Karfreitag, geht nichts mehr. In ihrem literarischen Debüt erzählt Anja Beer von einer Frau, die allein durch eine Krise muss, und von den Monaten, in denen sich trotzdem etwas bewegt.

Buchcover von „Monate ohne R“ von Anja Beer

Erzählung von Anja Beer

Eine Figur, die anders ist als ihre Autorin

Wer Anja Beer begegnet, erlebt eine offene, zugewandte Frau, die bei anderen zuerst das sieht, was sie mag. Sie selbst beschreibt sich eher als Beobachterin, die gern in der zweiten Reihe steht und schaut, was unter der Oberfläche liegt. Dort ist Rebecca entstanden, eine Figur, die bewusst anders ist als sie selbst: kaum eingebunden, ohne Menschen, die sie auffangen.

„Mich hat die Frage beschäftigt, was passiert, wenn ein Mensch plötzlich nicht mehr funktioniert wie bisher“, sagt Anja Beer. „Was gibt ihm Halt? Und wie geht es jemandem, der keine Familie oder andere Menschen hat, die ihn auffangen?“ Denn wer gut eingebunden ist, dem fällt der Weg aus einer Krise leichter. Rebecca hat das nicht. Kein Sinnspruch hilft ihr und kein Ratschlag im richtigen Moment.

Was in der Stille passiert

Nach dem Zusammenbruch wird Rebeccas Leben langsamer. Mit der Ruhe kommt zurück, was sie lange weggeschoben hat: Erinnerungen an ihren Vater, an eine Mutter, die ihr bis heute fern ist, und an einen Verlust, über den sie nie gesprochen hat.

Anja Beer interessiert dabei vor allem das, was zwischen den Zeilen steht. Die Pausen, das Ungesagte, eine Stille, die nicht leer sein muss. Rebecca stellt sich eine Frage, die sich wohl jeder irgendwann stellt: Wer bin ich eigentlich, wenn niemand zuschaut? Dazu kommen ihr schwieriges Verhältnis zur Spiritualität und Glaubenssätze, die hinterfragt werden wollen. Und ein Gedanke, der der Autorin besonders am Herzen liegt: dass wir den Menschen, die uns etwas bedeuten, viel zu selten Danke sagen, solange es noch möglich ist.

„Manchmal frage ich mich, wie ich klinge, wenn niemand zuhört.“

Aus „Monate ohne R“

Was fehlt, wenn das R fehlt?

Die kurze Antwort: Monate ohne R sind Mai, Juni, Juli und August. In diesen Monaten setzt sich in Rebeccas Leben etwas in Bewegung. Der Titel kam erst ganz am Ende des Schreibens, und Anja Beer hat ihn selbst gewählt, ohne dass ihr ein Verlag hineingeredet hat. Inzwischen hört sie dazu die unterschiedlichsten Deutungen. Manche fragen sogar, wer denn dieser R sei. Ihr gefällt, dass es keine eindeutige Antwort gibt. Das „ohne“ benennt etwas, das fehlt. Nur ein Buchstabe? Oder etwas Grundsätzliches?

Eine Erzählung für leise Leserinnen und Leser

„Monate ohne R“ richtet sich an Menschen, die psychologisch genaue Geschichten mögen und wissen wollen, was hinter einer scheinbar funktionierenden Fassade liegt. Und daran, wie Vergangenheit und familiäres Schweigen bis in die Gegenwart wirken.

Was nach dem Lesen bleiben soll, beschreibt die Autorin so: „Ich wünsche mir, dass etwas von Rebecca bleibt. Vielleicht ein genauerer Blick auf Menschen, denen man ihre Schwierigkeiten nicht ansieht. Vielleicht auch etwas mehr Geduld mit sich selbst, wenn das Leben gerade nicht so weitergeht wie gedacht. Und dass man sich immer irgendwie Hilfe holen kann und auch sollte, wenn man nicht mehr weiter weiß, zum Beispiel, indem man eine Therapie macht.“

Über die Autorin

Anja Beer mit ihrem Roman „Monate ohne R“

Anja Beer ist in München geboren und aufgewachsen und lebt heute wieder mitten in der Stadt. Sie hat Journalistik sowie Literatur und Philosophie studiert und arbeitet in der Unternehmenskommunikation. Schon ihre Diplomarbeit an der Uni Eichstätt schrieb sie zu dem Thema „Der lange Weg zum Bestseller. Das Zusammenspiel von Verlags-PR und Buchkritik“. Lange kam das Leben dazwischen. „Monate ohne R“ hat sie schließlich neben Familie und Vollzeitjob geschrieben. Die Tage waren voller denn je, die Nächte manchmal sehr kurz, und trotzdem war sie in einem Flow, wie sie ihn zuletzt als Kind kannte. Es ist ihr erstes Buch.

Instagram: @muc.beer

Das sagt Luca über die Autorin

Ich habe Anja über LinkedIn kennengelernt, und daraus ist eine tolle Podcastfolge entstanden. Mit dem Titel konnte ich zuerst gar nichts anfangen. Heute weiß ich, was „Monate ohne R“ sind, und genau diese Kreativität finde ich spannend. Ich finde es stark, dass Anja den Mut aufgebracht hat, über Themen zu sprechen, über die viele vielleicht gern sprechen würden, die sie aber dann doch verschweigen.

Zum Buch: Erschienen im Oktober 2026.

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