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Tiefer als Worte

Hinweis: In dieser Folge geht es auch um Depression und um Suizid. Lies den Beitrag nur, wenn du dich sicher genug dafür fühlst.

Wenn es dir gerade schlecht geht: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222, außerdem online unter telefonseelsorge.de.

Es gibt einen Satz, der über dieser Folge steht, und Jang Ludi nennt ihn den wertvollsten, den er je gehört hat. Er ist kurz genug, dass man ihn überhört: Alles wird gut.

Wer fünfundzwanzig Jahre lang mit Depressionen gelebt hat, hört ihn anders. Jang hat das. Seit einigen Jahren ist er sie los, und er sagt selbst, dass er bis heute nicht erklären kann, wie das passiert ist.

In dieser Folge erzählt er davon. Außerdem von einer Bewerbung, die er auf gut Glück abgeschickt hat, von dem, was hinter einer missverstandenen Szene im Fernsehen steckt, und von einem Vater, auf dessen Warum es keine Antwort gibt.

Vom Handwerker zum Erzähler

Jang ist fünfunddreißig und lebt zurzeit in Luxemburg. Beruflich ist er selbstständiger Handwerker, gerade baut er um in Richtung Videos und eigene Inhalte. Der Grund dafür ist kein geschäftlicher.

Er will mehr zu Hause sein, für seinen kleinen Sohn. Und er will seine Hobbys wieder leben, die bislang regelmäßig hinten runterfallen.

Angefangen zu filmen hat er, weil er breit aufgestellt ist und vieles gleichzeitig macht. Alles davon festzuhalten schafft er nach eigener Aussage ohnehin nicht.

Eine Bewerbung und achthundert Nachrichten

7 vs. Wild schaut er, seit es die Sendung gibt. Als eine Wildcard ausgeschrieben wurde, dachte er sich, dass er sowieso schon Inhalte produziert, und machte einfach mit.

Ich mache meine Bewerbung und dann schauen wir.

Jang Ludi

Danach kam der Teil, den man nicht sieht. Er schrieb Freunden, die schrieben weiter, und am Ende saß er ein ganzes Wochenende da und verschickte Einzelnachrichten. Über achthundert waren es.

Es reichte. Dann die Mail der Produktion, zwei oder drei Wochen später ging es los. Erst Schweden, dann Panama. Am Ende hat er gewonnen.

Eine weitere Staffel ist abgedreht, diesmal in der Dominikanischen Republik. Wann sie läuft, darf er nicht sagen.

Was vor der Kokosnuss passiert ist

Eine Szene aus Panama hat ihm Kritik eingebracht. Er hält eine Kokosnuss in der Hand und sagt, die sei jetzt für ihn. Für manche Zuschauer sah das nach Egoismus aus.

Jang erzählt, was vorher lief und nicht gezeigt wurde. Ab dem Moment, in dem sie in Panama anlandeten, sammelte er Flaschen, um mehr Wasser tragen zu können, und schleppte drei Liter mit, bei vierzig Grad.

Beim Shelterbau war er früher fertig, schlug am Strand vier oder fünf Kokosnüsse ab und teilte sie mit den anderen. An einem Spot, an dem es Wasser geben sollte und keines zu finden war, gab er die Hälfte seines Vorrats an Ecilio ab. Abends wurde auch das Fruchtfleisch geteilt.

Ich habe eigentlich bis zu dem Zeitpunkt alles geteilt.

Jang Ludi

Am letzten Morgen, fünf Stunden vor dem Ende, zog er eine Grenze. Das ist die Szene, die gesendet wurde.

Fünfundzwanzig Jahre unter einer grauen Wolke

Auf die Frage nach dem wertvollsten Satz seines Lebens antwortet er ohne Zögern mit diesen vier Worten. Auf die Nachfrage, ob es Phasen gab, in denen eben nicht alles gut war, kommt die Geschichte dahinter.

Ich hatte fünfundzwanzig Jahre mit Depressionen zu kämpfen.

Jang Ludi

Es kam in einem Rhythmus, immer wieder, ausgelöst von Verschiedenem. Was danach kam, beschreibt er als eigene Herausforderung. Wenn etwas einen so lange begleitet und dann plötzlich weg ist, bleibt erst einmal nichts.

Dann hast du so ein Gefühl, so einen leeren Raum, den du erst mal irgendwie mit Möbeln vollstellen musst, um dich da wohlzufühlen.

Jang Ludi

Der Besuch, den er bis heute nicht erklären kann

Nach dem größten Geschenk gefragt, das er sich selbst gemacht hat, nennt er nicht sein Kind und nicht den Sieg, sondern einen Termin. Eine Freundin hatte ihm vorgeschlagen, zu einer Frau zu gehen, die nach eigener Darstellung mit Verstorbenen spricht.

Ich bin nicht so einer, der komplett an so etwas glaubt, aber ich bin offen dafür.

Jang Ludi

Er schrieb vorher Fragen auf, sie gingen sie gemeinsam durch. Am Abend lag er wach. Dann, sagt er, habe er aus dem Nichts einmal sehr tief ein und wieder ausgeatmet.

Meine ganze Last war weg, und ich habe geschlafen wie ein Baby.

Jang Ludi

Am nächsten Morgen sei er ein anderer Mensch gewesen. Warum das funktioniert hat, versteht er bis heute nicht und sagt das auch so. Er nimmt es hin und ist dankbar dafür.

Das ist seine Erfahrung, kein Rezept. Wer selbst mit Depressionen lebt, findet weiter oben die Nummern, die rund um die Uhr erreichbar sind.

Der Vater, auf dessen Warum es keine Antwort gibt

Dass dieser Besuch für ihn alles verändert hat, hängt mit etwas zusammen, das sehr viel früher passiert ist. Jang war acht Jahre alt, als sein Vater sich das Leben nahm.

Das hat mich mein Leben lang begleitet. Das hat mich nicht losgelassen.

Jang Ludi

Es führte immer wieder zu Phasen, in denen er sehr traurig war, und zu etwas, das er nicht verarbeiten konnte. Die eine Frage, die jemand beantworten müsste, kann niemand mehr beantworten.

Aufgewachsen ist er mit seiner Mutter, seiner Schwester und seinem Bruder, in den ersten Jahren auch mit seiner Oma.

Dass ihn sein Sohn heute so erlebt, wie er heute ist, hält er für den eigentlichen Unterschied. Einem kleinen Jungen einen Vater mit depressiven Schüben zuzumuten, war für ihn nie eine Option.

Warum er Menschen schnell liest

Jang bezeichnet sich als introvertiert, genauer als extrovertierten Introvertierten. Eine Weile kann er sehr nach außen gehen, dann macht der Kopf zu und er braucht Pause. Seine Kraft zieht er aus dem Alleinsein.

Gleichzeitig nimmt er sehr schnell wahr, wie es anderen geht.

Ich bin halt sehr gut darin, Menschen zu lesen.

Jang Ludi

Was er damit macht, hängt davon ab, wen er vor sich hat. Bei Freunden fragt er nach. Bei Fremden nicht mehr, denn die Erfahrung sagt ihm, dass die meisten gar nicht reden wollen und sich angegriffen fühlen, wenn jemand es doch bemerkt.

Was Reichtum für ihn bedeutet

Reichtum bedeutet für mich, in seinem Leben angekommen zu sein und glücklich zu sein, und vor allem im Hier und Jetzt zu leben.

Jang Ludi

Nicht in der Vergangenheit, nicht in der Zukunft. Er sagt auch, dass er dafür lange gebraucht hat.

Gefragt, wie sein glücklichster Tag aussehen würde, kommt keine große Antwort. Eine Wanderung mit seiner Frau. Mit seinem Jungen ein Eis essen.

Jeder Tag hat seine Schönheiten.

Jang Ludi

Die Frage vom Sterbebett

Seit etwa zehn Jahren stellt er sich immer wieder dieselbe Frage. Was wäre, wenn er am Ende läge und zurückschaute. Gäbe es etwas, das er bereut, weil er es gelassen hat.

Für ihn ist das kein düsterer Gedanke, sondern der Grund, Dinge tatsächlich zu tun.

Es hält dich keiner davon ab, irgendetwas in deinem Leben zu unternehmen und zu realisieren.

Jang Ludi

Wenn ein Traum gerade nicht bezahlbar ist, dann eben in einem Jahr. Aber nicht irgendwann.

Ein Wort: Menschlichkeit

Was ihn beim Blick auf die Gesellschaft wütend macht, beantwortet er mit einem einzigen Wort.

Menschlichkeit. Einfach nur Menschlichkeit bräuchte es, um diese Welt wieder in einen besseren Ort zu wandeln.

Jang Ludi

Dass viele vergessen, dass alle auf demselben Planeten leben, dieselben Probleme und dieselben Bedürfnisse haben, ist für ihn der Kern. Und auf die Frage, warum Menschen hassen, hat er eine Antwort, die niemanden entlastet.

Würde ich mein Leben aufräumen und hinter mir den Besen fegen und nicht hinter anderen Menschen, dann wäre mein Unglück gar nicht so groß.

Jang Ludi

Was sein zehnjähriges Ich sagen würde

Im Podcast stellt jeder Gast dem nächsten eine Frage. Für Jang war es diese: Wäre dein zehnjähriges Ich stolz auf dich, und wenn nicht, was würdest du ändern?

Er glaubt, ja. Vor allem, weil er über alle seine Schatten gesprungen ist.

Das ist ein cooler Dude, mit dem kann ich leben.

Jang Ludi

Und was er dem Jungen sagen würde, ist derselbe Satz vom Anfang. Der Junge würde fragen, warum, und darauf hätte er keine Antwort. Trösten könnte er ihn trotzdem.

Ich würde ihn in den Arm nehmen und sagen, alles wird gut.

Jang Ludi

Auf die letzte Frage, was er sein jüngeres Ich nicht erklären, sondern fühlen lassen würde, braucht er lange. Dann kommt ein Satz, der ohne Erklärung auskommt.

Eine sehr innige, lange Umarmung. Und sehr fest.

Jang Ludi

Über den Gast

Jang Ludi ist fünfunddreißig, selbstständiger Handwerker und lebt zurzeit in Luxemburg. Bekannt wurde er durch seine Teilnahme an 7 vs. Wild, für die er sich über eine Wildcard qualifizierte und die er gewann. Auf seinen eigenen Kanälen zeigt er Sport, Natur und das, was ihn gerade beschäftigt. Schreiben darf man ihm, er liest nach eigener Aussage alles und antwortet jedem, solange man nett ist.

Instagram: @jangludi
YouTube: JangLudi

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