1979 macht sich Bagicha Singh mit Bus und Bahn auf den Weg von Indien nach Deutschland. Seine Tochter Sunita Sukhana ist mit den Geschichten dieser Reise aufgewachsen. Jetzt hat sie daraus ein Buch gemacht, das weit mehr erzählt als eine Familiengeschichte.

Sachbuch von Sunita Sukhana
Hirzel Verlag
Geschichten, mit denen sie aufgewachsen ist
„Ich bin mit den abenteuerlichen Geschichten von der Migrationsreise meines Vaters aufgewachsen und dachte mir schon immer: Daraus müsste ich mal ein Buch machen!“, sagt Sunita Sukhana. Ihr Buch folgt seiner Route durch Afghanistan, den Iran, die Türkei, Bulgarien, Jugoslawien und Ungarn bis nach Deutschland. Zu jeder Etappe ergänzt sie den geschichtlichen und politischen Hintergrund und ihre eigenen Gedanken. So wird aus einer Reise von damals ein Blick auf Migration heute.
Alles hat einen Grund
Durch das Buch zieht sich ein Gedanke, den sie von ihrem Vater übernommen hat. Auf den ersten Blick wirkt die Familie wie von Katastrophen verfolgt. Dann kippt der Blick: Wäre eine davon nicht passiert, hätten sich ihre Eltern nie kennengelernt, und es gäbe sie nicht. Schönreden will sie dabei nichts. Manche Dinge sind einfach mies, sagt sie, und man darf sich darüber aufregen.
Nicht jeder kann sich so durch schwierige Situationen schlängeln wie ihr Vater. Er ist ein Überlebenskünstler und hat aus Indien eine Haltung mitgebracht, die das ganze Buch prägt: Hauptsache, es funktioniert. Ein Auto darf klappern, solange es fährt. Irgendeinen Weg gibt es immer.
Herkunft, Heimat und die Freundlichkeit von Fremden
Ist Indien ihre Heimat? Ihre Antwort ist klarer, als man erwartet: „Der Teil von Indien, der mein Vater ist, das ist die Heimat. Den Rest nehme ich eher wahr wie ein Tourist.“ Heimat ist für sie die Familie, nicht das Land.
Beim Schreiben hat sie mit vielen Menschen gesprochen, deren Familien von anderswo kommen, und überall Ähnliches gehört: Großfamilie, enges Zusammenleben, man kümmert sich umeinander. Davon erzählt auch der Untertitel. Es geht um die Freundlichkeit von Fremden, die einem Menschen auf einem langen Weg begegnet, und um die Frage, was eine Gesellschaft daraus lernen kann.
„Migration ist ein Menschenrecht.“
Aus „Von Indien nach Deutschland“
Für wen dieses Buch ist
Sunita Sukhana hat es für Menschen mit Migrationsgeschichte geschrieben und für alle, die offen sind für Menschen und ihre Geschichten aus aller Welt. Was nach dem Lesen bleiben soll, sagt sie so: „Geschichte passiert Menschen. Hinter Ereignissen, von denen wir in den Nachrichten oder Büchern lesen, stecken echte Menschen und ihre Schicksale. Und gerade die Vielzahl dieser Geschichten bereichert unsere Gesellschaft.“
Über die Autorin

Sunita Sukhana ist Autorin, Podcasterin und Bookstagrammerin. Sie berät Verlage sowie Autorinnen und Autoren und setzt sich für Stimmen ein, die im Buchmarkt selten vorkommen: Bücher aus Ländern, über die hier kaum jemand liest. Für sie sind Bücher kein Luxus. „Bücher haben mir schon das Leben gerettet“, sagt sie. Und ihr Anspruch passt zu dem, was sie tut: „Ich will das Streichholz sein, das andere Kerzen anzündet.“
Instagram: @sunita_sukhana
Website: sunitasukhana.de
Das sagt Luca über die Autorin
Kennengelernt habe ich Sunita über Bärbel, die meinte, wir zwei müssten unbedingt mal reden. Sie hatte recht, daraus ist eine Podcastfolge entstanden, an die ich gern zurückdenke. Ihr Buch hat mich schon beim ersten Satz erwischt. Was mich beeindruckt: Sunita erzählt die Geschichte ihres Vaters nicht als Heldengeschichte, sondern ehrlich, und zeigt dabei, wie viel Menschlichkeit in Migration steckt.
Zum Buch: Erschienen im Oktober 2023 im Hirzel Verlag.



